Frank Zappa im Gefängnis: „Verschwörung zur Pornografie“

Am 26. März 1965 werden Frank Zappa und seine „Gehilfin“ Lorraine Belcher in Cucamonga, Kalifornien, festgenommen. Die offizielle Anklage: Verschwörung zur Pornografie. Alles beginnt mit einem Auftrag für ein akustisches Sextape, das Zappa für 100 Dollar aufnehmen soll.

Geldmangel und schlechte Gigs

Frank Zappa ist zu dieser Zeit 24 Jahre alt und hält sich mit schlecht bezahlten Auftritten in Bars und dem Komponieren von Filmmusik über Wasser. Vom späteren Erfolg ahnt damals noch niemand etwas.

An diesem speziellen Abend spielt er mit einem Blues-Trio in einem Latin Club in Ontario. Der Gig ist enttäuschend: Die Zuschauer interessieren sich mehr für die Go-Go Girl‘s, die neben der Band auf der Bühne performen. Nach dem Auftritt wird Zappa von einem angeblichen Vertreter angesprochen. Er bietet ihm 100 Dollar für eine Audioaufnahme, auf welcher der Musiker Sex nachahmen soll. Das ist zu dieser Zeit zu viel Geld, als dass er ablehnen könnte.

Akustische Pornografie im Studio Z

Kurzum verpflichtet Zappa Lorraine Blecher, eines der Go-Go Girl‘s auf der Bühne, ihm bei diesem speziellen Projekt unter die Arme zu greifen. Die beiden fahren in sein Studio („Studio Z“) und verbringen die Nacht damit, ein Tape mit quietschenden Bettfedern, Stöhn- und Grunzgeräuschen und anderen eindeutigen Sounds aufzunehmen. Zappa unterlegt den vorgespielten Akt mit Musik aus seinem Archiv. Das Herausschneiden des Hintergrundgelächters dauert im Anschluss länger als der Aufnahmeprozess selbst – die beiden Protagonisten dürften ihren Spaß gehabt haben. Das Tape ist zum Morgengrauen schließlich fertiggestellt.

Zappa wird verhaftet

Später am Tag erscheint Zappa mit dem Tape am vereinbarten Treffpunkt. Kaum dort angekommen, wird er auch schon festgenommen: Der Auftraggeber von letzter Nacht entpuppt sich als Undercover-Polizist, der ihm jetzt Handschellen anlegt und ihn und Belcher aufs Revier bringt. Zu allem Übel stürmt die Polizei auch noch das Studio Z und konfisziert alle Tonbänder. Die Lokalpresse ist da bereits informiert und veröffentlicht einen Bericht samt Schlagzeile über die Festnahme des vermeintlichen „Go-Go Film-Produzenten“.

Zappa sitzt fest, kann aber immerhin genug Geld für die Kaution von Belcher zusammenkratzen, die sich daraufhin wieder auf freiem Fuß befindet. Er selbst sitzt 10 Tage im Gefängnis ab, weil er sich keinen Rechtsbeistand leisten kann. Er wird schließlich freigelassen, verbringt die nächsten drei Jahre aber auf Bewährung.

Eine Eskapade mit Folgen

Zappa ist zwar raus aus dem Gefängnis, erhält aber nicht einmal die Hälfte seiner konfiszierten Aufnahmen zurück: Knapp 80 Stunden Musik hat er in Studio Z aufgenommen, wovon 50 Stunden in polizeilichem Gewahrsam bleiben. Vielleicht werden die Tonbänder auch einfach nur still und heimlich entsorgt. Zappa erhält drei Jahre auf Bewährung und darf sich in dieser Zeit nicht in Gesellschaft junger Frauen unter 21 Jahren aufhalten. Etwas Gutes hat das Ganze dann aber doch: Da er jetzt vorbestraft ist, wird er nicht für den Vietnamkrieg eingezogen.

Zappas Erfahrungen mit dem Gefängnis sind zwar kurz, hinterlassen aber ihre Spuren. Ein prägendes Erlebnis, das seine Einstellung zur Staatsmacht und den bigotten Moralvorstellungen Amerikas sicher verstärkt haben dürfte. Er selbst sagt dazu:

Du verstehst nicht, was ein Gefängnis ist und was dort abgeht, bis du in einem feststeckst. Ich glaube, ich muss Detective Willies und der bösartigen Maschinerie des Sicherheitsapparats von San Berdino dafür danken, dass ich die Chance erhielt, mir einen Eindruck vom Strafsystem in diesem Land zu machen … und davon, wie ineffektiv und dämlich es ist.“

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© RK, veröffentlicht am 04.03.2022

Bildquellen: 

1. © Yucca, yearbook of Antelope Valley High School, Lancaster, California

File:Frank Zappa HS Yearbook.jpg – Wikimedia Commons